Digitaler Produktpass für Textilien

Faserzusammensetzung, Herkunft und Nachhaltigkeit digital transparent machen.

TL;DR – Kurzgefasst:

  • Pflicht ab: Voraussichtlich ab 2027/2028 (priorisierte Produktgruppe im ESPR-Arbeitsplan)
  • Betroffen sind: Hersteller, Marken, Importeure, Händler
  • Gilt für: Bekleidung, textile Erzeugnisse
  • Kernpflichten: Digitaler Produktpass + Faserzusammensetzung + Herkunft + Nachhaltigkeitsdaten + Pflege-, Reparatur- & Recyclinginformationen

Warum betrifft der DPP die Textilienbranche?

Die Textilindustrie verursacht hohe Umweltbelastungen durch Ressourcenverbrauch, Chemikalien und Abfälle. Der DPP schafft Transparenz über Fasern, Herkunft und Kreislauffähigkeit – und setzt klare Anforderungen für Nachhaltigkeitsangaben.

Wer ist genau betroffen?

Betroffen sind:

  • Textilhersteller und Konfektionsbetriebe
  • Modemarken und Eigenmarken-Händler
  • Importeure von Bekleidung, Schuhe, Accessoires in die EU
  • Online-Plattformen mit Private-Label-Produkten
  • Upcycling- und Second-Hand-Anbieter (bei Inverkehrbringen)

Diese Akteure bringen Produkte in den EU-Markt und fallen unter ESPR-Vorgaben.

Welche DPP-Pflichten gelten für Textilien?

Kurzübersicht

  • Digitalen Produktpass für erfasste Textilprodukte bereitstellen
  • Faserzusammensetzung und Herkunft exakt dokumentieren
  • Pflege-, Reparatur- und Recyclinginformationen digitalisieren
  • Daten über QR-Code/Label direkt am Produkt zugänglich machen
  • Informationen laufend aktualisieren und verifizieren

Rechtsgrundlage

  • EU-Verordnung 2024/1781 (Ecodesign for Sustainable Products Regulation – ESPR, in Kraft seit 18.07.2024)
  • Delegierte Rechtsakte für Textilien (erwartet Ende 2026/früh 2027)
  • Ergänzend: Textile Ecosystem Strategy, Empowering Consumers Directive (EU) 2024/825

Typische Pflichten

  • Produkt-Identifikation (Style-Number, SKU, Größe)
  • Faserzusammensetzung in % (inkl. Deklarationsabweichungen ≤3%)
  • Herkunftsangaben (Produktionsland, Lieferanten-IDs)
  • Pflege- und Reparaturhinweise
  • Recyclingfähigkeit und Rücknahmesysteme

Welche Daten muss der Produktpass enthalten?

Mindestdaten (Bare Minimum)

  • Produktname, Style-Number, Größe/Variante
  • Faserzusammensetzung (% Baumwolle, Polyester, etc.)
  • Produktionsland und Hersteller-Kontakt
  • Pflege-Symbole und -anweisungen
  • Sicherheits- und Entsorgungshinweise

Empfohlene Zusatzdaten (Mehrwert & Sicherheit)

  • Lieferketten-Transparenz (Farm → Fabrik)
  • Wasserverbrauch und CO₂-Fußabdruck
  • Reparaturmöglichkeiten (Nähanleitungen, Flick-Service)
  • Rücknahme-Programme und Recycling-Partner
  • Sozialstandards (Fair Wear, GOTS

DPP Daten-Checkliste Textilien

  • Produktname / Style
  • Größe / Farbe
  • Faserzusammensetzung (%)
  • Produktionsland
  • Hersteller-Kontakt
  • Pflegekennzeichnung
  • Recyclinghinweise
  • CO₂-/Umweltdaten
  • Zertifizierungen
  • Rücknahme-Partner

Ab wann gilt das?

  • Ein ungefähres Stichdatum für den Digitalen Produktpass (DPP) im Bereich Textilien ist: ca. 2028/2029.

Die ESPR ist seit 2024 in Kraft. Textilspezifische Vorgaben werden voraussichtlich 2026/2027 konkretisiert.

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Echte Mehrwerte eines Produktpasses für Textilien

Bare Minimum (Pflicht)

  • Faser % & Pflegeangaben
  • QR-Code mit Basisdaten
  • Recyclinghinweise
  • Chemikalienkonformität

Mehrwerte (Chance)

  • Transparente Lieferkette als Markenwert
  • Nachhaltigkeits-Storytelling
  • Integration in Second-Hand-Modelle
  • ESG- und Ausschreibungsfähigkeit

Typische Herausforderungen in der Textilbranche

  • Sehr viele Styles & saisonale Kollektionen
  • Komplexe, internationale Lieferketten
  • Varianten (Größe/Farbe) je Produkt
  • Dezentrale Material- und Zertifikatsdaten
  • Hohe Anforderungen an Deklarationsgenauigkeit

Unser Lösungsvorgehen

1. Portfolio-Analyse & DPP-Reifegrad

2. Integration in PIM/PLM-Systeme

3. QR-Code- & DPP-Plattform-Aufbau

4. Pilotkollektion → skalierter Rollout

Der DPP für Textilien: rechtzeitig startklar werden

Der Digitale Produktpass funktioniert nur mit strukturierten Daten. Oft ist ein PIM-System (Product Information Management) die notwendige Voraussetzung, um Daten aus ERP und Produktion automatisiert bereitzustellen.

Wir unterstützen Sie bei dieser System-Integration.

FAQ zum DPP für Textilien

Die ESPR ist in Kraft. Konkrete Textil-Vorgaben werden per delegierter Rechtsakte erwartet. Ein verpflichtender Start für erste Kategorien wird ab ca. 2027/2028 prognostiziert.

Voraussichtlich schrittweise Einführung, beginnend mit umsatzstarken und umweltintensiven Kategorien. Langfristig ist eine breite Anwendung im Textilbereich zu erwarten.

Ja. Faser- und Materialhersteller müssen relevante Material- und Konformitätsdaten bereitstellen, damit Marken vollständige Produktpässe erstellen können